Vernehmung

 

Du hast das Recht, den Grund der Amtshandlung - also was gegen dich vorliegt - zu erfahren.

Du bist auch darauf aufmerksam zu machen, dass du zu deiner Vernehmung eine erwachsene Vertrauensperson oder einen Rechtsbeistand beiziehen kannst. Sollte das nicht passieren, dann verlange selbst nach einer Vertrauensperson oder einem Rechtsbeistand!

Im Fall einer Einvernahme musst du darüber informiert werden, ob du als Beschuldigter/Beschuldigte oder als Zeuge/Zeugin vernommen wirst.

Der Verteidigernotruf zum rechtsanwaltlichen Bereitschaftsdienst für festgenommene Beschuldigte ist rund um die Uhr kostenfrei aus ganz Österreich erreichbar unter 0800 376 386.

Über die Vernehmung ist eine Niederschrift anzufertigen. Lies dir das Protokoll genau durch. Sollte es unvollständig oder missverständlich sein, ersuche um Ergänzung oder Richtigstellung.

Du wirst als Beschuldigter/Beschuldigte vernommen, wenn man dir eine Straftat vorwirft. Du bist in diesem Fall nicht verpflichtet auszusagen. Es gilt der Grundsatz der Unschuldsvermutung, d.h. deine Schuld muss dir erst nachgewiesen werden.

Du wirst als Zeuge/Zeugin vernommen, wenn du anlässlich einer Straftat Beobachtungen gemacht hast. In diesem Fall bist du verpflichtet, die Wahrheit zu sagen. Du kannst die Aussage verweigern, wenn du dich selbst belasten würdest oder du gegen nahe Verwandte aussagen müsstest. Bei einer Falschaussage machst du dich strafbar!

 

Als Opfer einer Straftat bist du unter 18 Jahren besonders schutzbedürftig und hast folgende Rechte:

  • du kannst im Ermittlungsverfahren von einer Person gleichen Geschlechts vernommen werden;

  • du kannst die Beantwortung einzelner Fragen verweigern;

  • du hast das Recht auf schonende Vernehmung im Ermittlungs- und Hauptverfahren;

  • die Öffentlichkeit kann von der Hauptverhandlung ausgeschlossen werden;

  • du kannst eine Vertrauensperson zur Vernehmung beiziehen, unter 14 Jahren musst du sogar eine Vertrauensperson beiziehen.

 

Kontradiktorische Vernehmung

Bei einer kontradiktorischen Vernehmung im Rahmen eines Strafprozesses treffen die/der Angeklagte und die Zeugin/der Zeuge oder das Opfer nicht direkt zusammen. Die Vernehmung findet in einem anderen Raum statt und wird auf Video aufgezeichnet und in den Gerichtssaal übertragen, damit die/der Angeklagte bzw. der Rechtsbeistand Fragen stellen können.

Diese Form der Vernehmung dient dem Schutz der Zeugin/des Zeugen oder des Opfers. Ihnen bleibt dadurch die Konfrontation mit der/dem Angeklagten erspart. Bei Opfern von Sexualdelikten, die unter 14 Jahre alt sind, muss kontradiktorisch einvernommen werden.

Weder Staatsanwalt noch der Beschuldigte haben ein Recht auf Ausfolgung von Kopien der Ton- und Bildaufnahmen einer kontradiktorischen Vernehmung bei Verfahren wegen Sexualdelikten.